Leise gleich schneller?

Ein Grund für die Einkäufer, auf leise PCs Wert zu legen, ist die Tatsache, daß die Steigerung der Arbeitsleistung durch Lärmminderung meßbar ist. Während zum Beispiel eine Senkung des Lärmpegels beim Maschineschreiben im Büro um 10 dB(A) zwar nur eine Durchsatzsteigerung (Schreibmenge pro Zeit) um 12 % verursacht, verringert sich die Fehlerrate (Qualität des Geschriebenen) bei 6 dB(A) leiserer Umgebung schon um 29 %. Die Fehlerrate bei Computerarbeit reduziert sich hierbei sogar um 52 %, was direkt mit der höheren Komplexität der Anforderung zusammenhängt: In den letzten Jahren ist durch PC-Arbeit eine zunehmende Reintegration von Tätigkeiten zu beobachten, die früher arbeitsteilig erledigt wurden. Folge ist, daß mehr Informationen im Gedächtnis gehalten werden müssen, daß mehr geistige Operationen ausgeführt werden, daß verstärkte Anforderungen an die kontinuierliche Konzentration und Aufmerksamkeit gestellt werden und daß die Verantwortung steigt, weil eigene Fehler größere Auswirkungen haben können. Dies alles sind Streßfaktoren, die zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegen Umgebungsgeräusche führen. Fehlerhafte Entscheidungen bei Sachbearbeitungstätigkeiten (Prozentangaben) nehmen auf weniger als die Hälfte ab, wenn Ruhe am Arbeitsplatz herrscht.

Der - in allen entsprechenden Normen festgeschriebene - Grundsatz, daß Lärm soweit irgend möglich an der Quelle zu bekämpfen ist, und zwar 'durch Auswahl leiser Maschinen', erhält bei Beachtung dieser Erkenntnisse zusätzliche Relevanz. Nachweislich kommt es schon bei weit niedrigeren als den amtlich zulässigen Geräuschpegeln zur Zunahme von Fehlerhäufigkeit und Ausfalltagen sowie einer Verminderung der Arbeitseffizienz.

Bereits in der 'Lärmbeurteilung Büroarbeit' von 1976 (nach Selye) heißt es dazu: 'Bei fortdauernder Streßbelastung, wie durch Lärmeinwirkung, erfolgt beim Menschen nach kurzer Zeit eine gewisse Anpassung, wobei die Belastung in der Regel subjektiv reduziert erscheint.

Das bedeutet aber nicht, daß die physiologischen Systeme in diesem Prozeß adaptieren, beziehungsweise daß die lärmbedingten Streßreaktionen vollständig verschwinden. Vielmehr schließt sich an die Anfangsphase mit starker Streßreaktion eine Gewöhnungsphase an, in der die Reaktionen zwar vermindert sind, der Lärm aber dennoch nervliche Kosten verursacht. Eine langfristige Fortsetzung der Belastung erhöht prinzipiell das Risiko dafür, daß die Adaptionsfähigkeit des Organismus ihre Grenzen erreicht und es zur dritten Phase, dem Zusammenbruch, kommt.'

Lärm, der durch Betrieb und Benutzung des PC verursacht wird, ist nur eine von vielen - und vielleicht gar nicht einmal die aufdringlichste - Schallquelle im Büro: Telefonklingeln, Türgeräusche, Gespräche an Nachbarplätzen oder auch die draußen vorbeiführende Straße können das Geräusch eines modernen PC deutlich übertönen. Zudem hängt die Auswirkung des PC-Geräuschs stark von den Dämpfungseigenschaften des Raumes ab, in dem er betrieben wird. Psychophysiologische Lärmwirkungen am Arbeitsplatz: Nicht nur das Ohr ist betroffen, wenn Lärm und andere Streßfaktoren zusammenkommen.

Der auf den Benutzer wirkende Geräuschpegel (Lärm-Exposition) unterschreitet die zulässigen Werte mit hinreichender Sicherheit, wenn die Emissions-Schalldruckpegel der Geräte im Raum 15 dB(A) unter diesem Richtwert liegen. Da heute immer mehr komplexe, mit hoher Konzentration und Verantwortung einhergehende Tätigkeiten in räumlicher Nähe zu Produktionshallen stattfinden, sind entsprechende Schalldämmungsmaßnahmen heute ungleich aufwendiger als früher.

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