Leiser Computer

Die schöne Stille der Technik

In der Ruhe liegt die Kraft: Das Unternehmen Silentmaxx aus Rheinbach fertigt lautlose und leise Computer (von Michael Spehr)

Leiser Computer: der Fanless Intel mit 0 Sone
Leiser Computer: der Fanless Intel mit 0 Sone

Computer Lärm ist ein selten beachteter Missstand, obwohl kontinuierliche Belästigungen, die einen durch den ganzen Tag begleiten, das Wohlbefinden und die Konzentration nachhaltig beeinträchtigen.

Doch was für den einen noch leise ist, nimmt der andere schon als laut und unzumutbar wahr. Die gängigen Lärmmessungen mit dem Schalldruckpegel in Dezibel sind beim Thema leiser Computer wenig hilfreich. Als sinnvolle Messgröße hat sich die psychoakustische Lautheit durchgesetzt, die in "Sone" gemessen wird. Der Lautstärke eines Sinustons mit der Frequenz 1 Kilohertz und einem Schalldruckpegel von 40 Dezibel wird die Lautheit 1 Sone zugeordnet. Diese Lautheit in Sone liefert also erste Anhaltspunkte für die akustische Beurteilung eines leisen Computers. Ein leiser Computer liegt bei 0,5 bis 1,0.

Wir suchten einen nahezu lautlosen Computer und stießen dabei auf das Unternehmen Silentmaxx in Rheinbach, das seit 2001 Komplettsysteme anbietet. Einzelne Komponenten werden zwar nach deutschen Vorgaben in China produziert, aber gebaut wird der Wunsch-PC dann in Deutschland. Auf der Internetseite von Silentmaxx (www.silentmaxx.de) kann man sich das System der Wahl selbst zusammenstellen, und wir entschieden uns für den "Fanless Intel" mit "0 Sone", der in der günstigsten Variante nicht mehr als ein Aldi-PC kostet, nämlich 650 Euro.

lautloses und lüfterloses 560-Watt-Netzteil
lautloses und lüfterloses 560-Watt-Netzteil von Silentmaxx

Unser Gerät wurde dann aber doch teurer: Wir nahmen ein Asus-Motherboard P5Q Pro anstelle des vorgeschlagenen von Gigabyte (wegen der herausgeführten E-Sata-Schnittstelle), statt des 2,8-Gigahertz-Core-2-Duo-Prozessors von Intel den mit 3 Gigahertz, 4 Gigabyte Arbeitsspeicher, eine 750-Gigabyte-Festplatte von Samsung und die passiv gekühlte Grafikkarte Geforce 9600 GT sowie einen Speicherkarten-Leser und Windows XP Professional als Betriebssystem. Schon in der Serienausstattung bringt der "Fanless Intel" ein lautloses und lüfterloses 560-Watt-Netzteil mit, und natürlich gehört ein DVD-Laufwerk ebenfalls dazu.

Der leise Computer ist kein Hexenwerk, das zeigt der Blick auf die Verarbeitung des Boliden: Das Tower-Gehäuse ITA 2767 ist an den Innenseiten mit einer Schwerfolie zur Dämmung und Dämpfung versehen. Diese Folie mit einem hohen spezifischen Gewicht absorbiert Schall und Körperschall, sie verhindert Schwingungen des Metalls. Über der Schwerfolie kämpft eine Schaumstofflage gegen Ultraschall und hohe Frequenzen. Das Material kommt übrigens aus Deutschland, es enthält weder Schadstoffe noch Bitumen.

Da die Grafikkarte passiv gekühlt wird, kann von ihr nicht viel Lärm ausgehen, und als Kühlsystem für den Prozessor kommt ebenfalls ein lüfterloses System zum Einsatz, das beeindruckend wie ein surreales Kunstwerk aussieht: Wärmeleitröhrchen (Heatpipes) leiten die Abwärme auf Lamellenflächen aus Aluminium. Silentmaxx bietet zudem die superschnellen Quad-Prozessoren von Intel mit einem lautlosen Kühlsystem an.

Man kann sich allerdings einen kleinen Lüfter dazubestellen, der mit einem Schalter am Gehäuse aktiviert wird. Aber sein Einsatz ist nur dann erforderlich, wenn der Prozessor mehrere Stunden lang ununterbrochen mit Volllast arbeitet, etwa beim Rendering von Videos.

Die Festplatte wird von Silentmaxx mit einer Wärmeleitfolie versehen und in einem Aluminiumgehäuse mit verrippten Außenseiten verstaut. Die Box heißt "HD Silencer", im Rechner wird sie mit Gumminoppen aufgehängt, so übertragen sich die Vibrationen nicht aufs Gehäuse. Nachdem wir unseren leisen Computer direkt in Rheinbach abgeholt hatten, waren wir auf die Lärmentwicklung im Praxiseinsatz gespannt. Kurz und knapp: Die Leute von Silentmaxx versprechen nicht zu viel. Der "Fanless Intel" arbeitet nahezu unhörbar. Nur wenn man ein Ohr ans Gehäuse hält, ist die Festplatte ganz leise zu vernehmen. Selbst im Dauereinsatz über Stunden hinweg ändert sich daran nichts. Man gewöhnt sich schnell an die schöne Stille der Technik, wir empfinden sie als wohltuend und die Konzentration fördernd.

Im Innern des leisen Silentmaxx Computer sind übrigens alle Komponenten schnell zugänglich, und es ist genug Platz für Erweiterungen. Die aber bei einem Büro Computer angesichts der vollständigen Ausstattung kaum erforderlich sein dürften: Zwei USB-Anschlüsse vorn und sechs weitere hinten an der Rückseite zählten wir, ferner gehören ein Ethernet- und ein Firewire-400-Anschluss dazu. Die Nvidia-Grafikkarte bietet zwei digitale Ausgänge mit DVI: Unter Windows XP können also zwei Monitore eine riesige Desktop-Arbeitsfläche bilden. Dass das Betriebssystem sauber, also ohne Crapware und Werbezugaben mit allen aktuellen Updates aufgespielt war, sei nur am Rande lobend erwähnt. Der Hersteller bietet neben der zweijährigen Garantie ein Rückgaberecht innerhalb von 30 Tagen nach Erwerb an. Zwar kostete unser Gerät letztlich mehr als 1100 Euro, aber den Aufpreis gegenüber einem deutlich lauteren Computer "von der Stange" ist uns die Ruhe im Heimbüro wert. Allerdings sei eine "Nebenwirkung" nicht verschwiegen: Wir brauchen jetzt neue PC-Lautsprecher. Ihr Netzteil-Brummen hatten wir bis dato nie gehört. Jetzt ist es das lauteste Geräusch im Arbeitszimmer, - aber vermutlich nicht mehr lange.

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